Den Haag (UZ) – Die Niederlande gelten gemeinhin als stabiler Staat. Doch jetzt wurde auch das lebenswerte Königreich von den Fluten der Wirtschaftskrise erfasst. Bisher zählte es zu den starken Volkswirtschaften innerhalb des Euroraumes. Ökonomen befürchten einen Absturz in die Reihen Griechenlands, Irlands und Portugals
Quelle: DeutschlandEcho
Holland galt bisher als wirtschaftlich und finanzpolitisch stabiles Land. Es zählt – neben Deutschland, Finnland und Luxemburg – zu jenen vier Staaten, die nach wie vor Triple-A-Status genießen. Österreich hatte diesen nach einem Downgrading durch die Ratingagentur Standard & Poor’s verloren. Aktuell haben die Niederlande und ihre Politik mit verhältnismäßig schlechten ökonomischen Daten zu kämpfen. “Unserer Meinung nach haben die Niederlande bereits das wirtschaftliche Herz Europas verlassen”, geben sich Experten der Citigroup kryptisch. Eine Rezession stehe bevor. Das Bruttoinlandsprodukt werde um 0,9 Prozent schrumpfen – ein deutlich schlechterer Wert als im Rest des Euroraumes. Lediglich das südliche Trio Portugal, Spanien und Griechenland schneidet schlechter ab. Das Budgetdefizit wird dieses und im nächsten Jahr bei 4,6 Prozent liegen. 15 Milliarden Euro müssen eingespart werden, um das Defizit zumindest auf die laut den Konvergenzkriterien von Maastricht erlaubten drei Prozent zu drücken.
CPB, eine unabhängige Expertenplattform die auch die Den Haager Regierung berät, sieht in den nächsten Jahren kaum Licht am Ende des Tunnels. Mangelnde Kaufkraft infolge von gekürzten Sozialausgaben, steigende Belastungen durch Pensionszahlungen und fallende Immobilienpreise drücken auf die Konjunktur. Die Inflation entwertet Lohnerhöhungen und verhältnismäßig hohe Verschuldungsquoten Privater engen das verfügbare Haushaltseinkommen ein. Einen Verlust des Triple-A hält Edwin van de Haar von CPB dennoch für unwahrscheinlich: „Diese Situation ist heute völlig hypothetisch.“ Die Niederlande würden notwendige Reformen durchführen. Ein Vergleich mit Griechenland oder anderen Staaten sei unangebracht.
Drängende Reformen
Der Regierung stehen harte Zeiten bevor. Der amtierende rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte genießt die Wertschätzung seines christdemokratischen Koalitionspartners. Um das Budget sanieren zu können, benötigt Rutte jedoch die parlamentarische Zustimmung von Geert Wilders und dessen Freiheitspartei. Diese gibt sich betont Euro-kritisch. Zugeständnisse an Wilders und seine Fraktion werden erforderlich sein. Bisher plant die Regierung Einsparungen im Sozialbereich, eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie Nulllohnrunden. Klaas Knot, Chef der Zentralbank des Königreiches, mahnt die Regierung zur Eile. Ein „glaubhaftes“ Sanierungspaket sei erforderlich, um das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen.

